Hausbau…oh je

Anfang des Jahres haben wir uns entschlossen, uns ein bisschen zu vergrößern. Das Hausbauen an sich ist ja schon eine spannende Geschichte. Man muss mit diversen Gewerken allerlei Details klären – wenn man mal soweit ist, dass man einen Bauträger oder Architekten und dann einen Grundriss hat. Täglich flattern Rechnungen von Notaren, der Stadt oder Bauunternehmen ins Haus.

Aber da es schon ca. 100 Bau-Blogs zu diesen normalen Themen gibt, überspringe ich das hier mal und komme direkt zu spannenden Teil: Smart Home.

Smart Home

Ganz genau, wir (und damit meine ich vor allem mich) wollen ein Haus, das etwas mit denkt. Und unter Smart Home verstehen wir hier nicht „ich kann mit dem Handy meine Lampen steuern“ sondern wirkliche Intelligenz die einem Arbeit ab nimmt.

Ein paar Beispiele gefällig?

  • automatische Beschattung: Sonne aussperren wenn es zu warm ist und Sonne hereinlassen wenn es zu kalt ist – so kann man die Heizkosten senken
  • intelligente Heizungssteuerung: nur heizen wenn es nötig ist und jemand anwesend ist
  • Beleuchtungs-Szenen die sich bei bestimmten Aktionen aktivieren: beim Fernsehen gehen die Rolläden etwas runter, das Licht wird gedimmt und Lampen die sich im TV spiegeln, gehen ganz aus

Planung

Die Planung eines solchen Smart Homes ist aber gar nicht so trivial. Es gibt hunderte von Punkten die Bedacht werden müssen, damit es auch zukunftssicher ist und Flexibilität bietet.

Alle Gewerke im Haus, Beleuchtung, Heizung, Multimedia, müssen zusammen spielen und sich verstehen. Drittanbieter Anwendungen wollen integriert werden und das ganze muss natürlich von der Frau akzeptiert werden (Stichwort: WAF)

Los geht’s

Ich habe mir zunächst Gedanken gemacht, was ich eigentlich steuern will. Daraus ergibt sich dann auch warum und wie man dieses steuert. Wenn man sich das überlegt, ergeben sich schnell eine Reihe an Sensoren die man benötigt um alles ohne Schalter zu steuern. Fenstersensoren, Bewegungs- bzw. Präsenzmelder, Temperatursensoren, Wettersensoren, Stromverbrauchsmessungen… Und man darf natürlich nicht nur an das Innere des Hauses denken – auch der Garten und die Garage wollen einbezogen werden! Bodenfeuchtesensoren, Tor-Sensoren oder auch Kameras wollen wohl überlegt werden bevor der erste Stein des Hauses steht.

Anschließend muss man sich noch für ein System entscheiden – kleiner Witz. Man muss sich für seine primären Systeme entscheiden. Denn mit nur einem System kommt man nicht weit. In meinem Fall wird es eine Mischung aus:

  • Loxone
    • Tree (Loxone BUS-System)
  • KNX
  • 1-Wire
  • Netzwerk
  • proprietäre Drittsysteme z.B. GIRA Rauchwarnmelder

werden. Diese Liste mit Möglichkeiten könnte man noch ewig weiter führen. Alleine für die Lichtsteuerung könnte man noch auf DALI und DMX zurückgreifen. Aber je mehr BUS Systeme man hat, desto unübersichtlicher wird das ganze System.

Und nun?

Jetzt wo wir wissen, welche Komponenten wir nutzen können, müssen wir uns ein Raumbuch erstellen. Ein Raumbuch listet für jeden Raum in eurem Haus auf, welche Komponenten oder Anschlüsse er bekommt. Dieses Raumbuch wird sehr schnell sehr groß. Am besten ist, ihr fertigt eine Excel Tabelle an.

Nach meiner ersten Planung ergeben sich bei mir z.b. 25 dauerstrom Steckdosen, 40 schaltbare Steckdosen ohne und 2 Steckdosen mit Leistungsmessung. 13 Rolläden, eine Markise etc… Von manchen der Zahlen war ich dann doch etwas überrascht. Dieses Raumbuch werdet ihr in der Planung immer wieder brauchen, um den Kabelplan zu erstellen (wo brauche ich KNX, wo brauche ich 1-Wire?) oder auch einfach nur Ein- und Ausgänge zu zählen. Für 42 schaltbare Steckdosen brauche ich also mindestens zwei 20-Fach Schaltaktoren etc.

Wir werden bei uns eine Mischung aus richtigen KNX Schaltern und herkömmlichen Schaltern mit Binär-Eingang am Loxone System verwenden. Und hier fängt dann auch das Kopfzerbrechen schon an. Ich brauche pro Raum ca. 5 Binär-Eingänge für die vier Schalter und den Fenstersensor. Da macht es ja schon Sinn einen 6-fach UP Nano-DI Tree in jedem Raum zu verteilen. Aber damit schaffe ich mir natürlich Fehlerquellen überall im Haus… alle Kabel in den Schaltschrank zu führen ist aber auch nicht optimal… und nu? 🙂 An diesem Punkt landet man relativ oft… und da hilft nur eins: noch mehr planen. Meistens ergibt sich dadurch dann die Lösung in Verbindung mit einem anderen Gewerk o.ä. das betrachtet werden muss.

Die Qual der Wahl

Quelle: https://www.ovnblog.com/

Oft hat man mehrere Möglichkeiten das gleiche Problem zu lösen. Unser Badezimmer z.B. ist geplant mit 4 weißen LED Spots und 1-2 RGBW Spots. Jetzt könnte ich

a) alles mit Loxone Tree Spots bauen. Vorteil: jeder Spot ist einzeln steuerbar.

b) alle Spots über zwei Loxone RGBW Dimmer ansteuern. Damit wären aber die RGBW Spots nicht unterschiedlich steuerbar.

Variante a) ist natürlich teuer, ca 500€ für 6 einzeln steuerbare Spots. Variante b) kostet nur ca. 370€ kostet mich aber auch Flexibilität. Die goldene Mitte wären 4 weiße Spots über einen zentralen Dimmer und 2 RGBWs über Tree für ca. 420€. Allerdings muss man dann natürlich 7×2,5mm2 für die weißen Spots und noch Tree-Leitung für die RGBWs vorsehen. Doppelter Aufwand in der Verkabelung. Auch hier warte ich erstmal ab, was die anderen Gewerke um das Badezimmer herum so an Leitungen mit sich bringen.

Probleme?

Multi Room Audio

Ich muss ganz ehrlich gestehen: mein größtes Problem aktuell ist Multi Room Audio. Es gibt keine optimale Lösung. Ich habe einfach keine gefunden! Der Loxone Music-Server kostet mindestens 1.500€ und kann dafür gar nicht sooo viel. Als kostenfreie Alternative gibt es die OpenSource Entwicklung MusikServer4Lox – aber dieser ist nicht so gut integriert in Loxone.

Sonos? Alles Kabellos, funktioniert eigentlich ganz gut. Ist für mich im Neubau aber keine echte Alternative zumal die Anbindung von kabelgebundenen Verbrauchern (z.B. Wohnzimmer HiFi Anlage) mit dem 300€ Sonos-Connect auch schon wieder unverschämt teuer ist. Ein Selbstbau-System hatte ich ja schonmal mehr oder weniger Erfolgreich in Betrieb und möchte ich eigentlich nicht mehr. Vor allem der WAF war nicht zufriedenstellend. Daher wird dieser Punkt bei mir vorerst offen bleiben. Ich ziehe Leitungen für die Lautsprecher nach draußen und in Räume wie die Küche, Schlafzimmer oder Kinderzimmer und das wars.

Türklingel

Außerdem ist das Thema Türklingel noch offen. Es soll natürlich eine Türsprechstelle mit Integration in das Smart Home werden. Eine Kamera ist uns wichtig und auch das öffnen der Tür per Knopfdruck. Wer will schon immer zur Tür rennen?Aber auch hier ist die Suche wieder nicht so einfach. Generell kann man sogar die Kamera und die Sprechstelle trennen. Eine IP Cam unter dem Dach zeigt den Eingang und die Sprechstelle ist per SIP mit der Loxone Umgebung verbunden. Aber eine vernünftige, günstige SIP Klingel sucht man vergebens. Schnell landet man bei der Loxone Intercom (hässlich und viel zu teuer) oder der Doorbird. Alternativ kann man ein Selbstbauprojekt starten und die SIP Verbindung über den anlogen Eingang einer Fritzbox herstellen… aber das ist ja auch wieder nur Gebastel…

Fazit

Ihr seht, das ganze Thema ist relativ komplex und offensichtlich gibt es nicht ohne Grund Leute die das hauptberuflich machen. Aber die Herausforderung nehme ich gerne an und werde mich weiter durch den Dschungel kämpfen und euch auf dem laufenden halten.